Die schönsten Deutschen Bücher

Auszeichnung im Jahre 2018

Verlag Kiepenheuer & Witsch - Man möchte manchmal wimmern wie ein Kind

Diese Schriften von Heinrich Böll erscheinen hier erstmals im Druck: die drei Kriegsbücher von 1943 bis 1945. Alle Seiten der alten Taschenkalender werden faksimiliert, das heißt, als Bilder reproduziert, freigestellt und in hoher Auflösung perfekt auf mattes Papier gedruckt. Formzitate wie der flexible Einband, der schwarz glänzende Bezug mit Narbenprägung, runden Ecken, Schildchen vorn, hinten und auf dem Rücken verfeinern die Umsetzung. Ein typisches Dekor in Abklatschtechnik trägt das Vorsatzpapier. Grau-blau-schwarze Schlieren ziehen sich übers Blatt – auch das ist ein Bildzitat. Im Kontext der Tagebücher wird es zur Allegorie des Schützengrabens.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Diogenes Verlag - Song Book

Innen einfarbig schwarzer Text, das war’s. Vielleicht. Liedtexte und kurze Geschichten erzählen von der Freundschaft zwischen Musiker und Schriftsteller und vom Zustandekommen der Lieder. Unprätentiös, großzügig, unscheinbar, auf festem matten, aber glatten weißen Papier, nichts stört, nichts winkt, nichts ist verspielt und alles ist fast normal. Hier und da ergibt sich durch Textlängenvarianz eine freie, unbedruckte Seite, auch mal rechtsseitig – was Gestaltung und Herstellung eigentlich immer zu vermeiden bemüht sind. So ganz beliebig geschieht dies hier nicht, denn auch da und dort erscheint gar ein unbeschriebenes Blatt – will heißen vakat, sowohl recto wie verso. Die freien Seiten sind Zäsuren, geben Luft zum Atmen, Gelegenheiten für einen Gedanken, sich mal setzen zu lassen.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Studio Johannes Bissinger - V+J! Vivat Jesus

Die schmale Satzkolumne hängt extrem hoch im Kopf der Seite, extrem breit dazu sind die Außenstege dimensioniert. Für den heutigen Blick ist dies eigenartig spannungsvoll, mit dem Blick in die buchkundliche Vergangenheit erkennt man die breiten Papierränder wieder, die es dem Buchbinder erlaubten, das Endformat individuell anzupassen. Genauso entschieden ambivalent wie die Schrifttype – eine erlesene Barockantiqua –, die sich in einem Brevier genauso gut ausmacht wie in einem Modemagazin, ist diese Buchgestaltung: klassisch und modern.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Lars Müller Publishers - Handbook of Tyranny

Im inhaltlichen Zusammenhang verstärkt es die distanzierende und empathiefreie Gesamtanmutung. Ironisch, könnte man meinen, sei dann auch das Einbandmotiv: Die geometrische Zeichnung von Leonardo zur menschlichen Proportion, überlagert von den konzentrischen Kreisen einer Zielscheibe – wenn der Zynismus der Zerstörungsindustrien nicht ernst wäre.
Von Schönheit würde man nun weniger sprechen als davon, dass das Werk, vom Inhalt über die Darstellung bis zur Materialisierung in Buchform absolut treffend eingerichtet ist – im wahrsten Sinne des Wortes.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Hermann Schmidt Verlag - Das Buch der Nächte

Dieses Buch, ein regelrechtes Typotheater, beleuchtet alle möglichen Varianten des nächtlichen Wachseins. Es ist ein typografisch ziseliertes Gefäß für alle Assoziationen, die jemanden nächtens beschleichen – in schlaftrunkenem Zustand oder bei vollem Bewusstsein. Ein unscheinbares Detail nimmt man zunächst als durchgehendes Schmuckelement wahr. Kleine Kreise aus zwölf Punkten bilden Zifferblätter, in die man die Uhrzeit seiner Notizen einzeichnen kann. Welcher Notizen? Na all das, was es nicht in ein Tagebuch schafft, wenn der Tag schon rum ist.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Auszeichnung im Jahre 2017

Verlag Hermann Schmidt – Vom Blatt zum Blättern

Bei diesem Titel hat Kösel die buchbinderische Weiterverarbeitung übernommen.

Die Geschichte der Beschreibstoffe ist eine der Verdünnisierung, von der Felswand über Tonklumpen, Bronzetafeln, Wachsschichten, Tierhäuten über Papier bis hin zum Unbegreiflichen: immateriellen Lichtpunkten. Doch nur die vorletzte Stufe, das Papier, hält Botschaften auf engstem Raum in dinghafter, beständiger, nicht-virtueller Weise zusammen. Ein echter Ratgeber für Laien und Fachleute, ein Lehrbuch über alles, was im grafischen Gewerbe mindestens einmal gefalzt ist und für alle, die wissen wollen, wie Blättern geht.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Lars Müller Publishers – Spekulationen Transformationen

Der Reiz des Einbandes, so nüchtern er auf den ersten Blick wirkt, liegt in der Verbindung des luftigen Wortlauts mit der logischen Anmutung der punktierten Karte in den Konturen Deutschlands. Man greift zu, bewegt den Band und bemerkt ein Schillern im pechschwarzen, lichtschluckenden Hintergrund. Kaum wahrnehmbar umrahmt die Topografie Europas den gerasterten Deutschlandkomplex. Zauberei? Es muss Drucklack sein.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Diogenes – Ganz weit weg

Sprache und Büchern sind die Fähigkeit zu eigen, den Wust von Phänomenen, Ereignissen und Gedanken analytisch wie synthetisch zu bearbeiten, also in ein geordnetes Nacheinander zu zerteilen, ja, dadurch überhaupt erst mitteilbar zu machen. Dass das Gelesene oder Gesehene dann nicht einfach nur hinter einem liegt, sondern als innere Erfahrung auf unerwartete Weise vorliegt, genau das führt dieses Buch auf zauberhafte Weise vor Augen.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Auszeichnung im Jahre 2016

VIEL & MEHR – Lissabon im Land am Rand

Frisches Meeresbrisenblau, knallgelbes Sonnenlicht – die Eckdaten für das Farbklima der handlichen Steifbroschur (ein Pappband, dessen Decke mit dem Buchblock bündig beschnitten ist) machen auf Einband und Vorsatzpapier unmittelbar klar: Es geht um Lissabon, um die Atmosphäre, das Leben, die Gepflogenheiten, Anekdoten.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Greenpeace Media - Die Biene

Honig, Wachs, Pollenhöschen, Frühlingsblüten, Sonnenlicht: Auf einfache, eindeutige Weise sammelt das warme Gelb des Einbandgewebes die Gedanken – gefasst vom rundum gelben Farbschnitt –, wenn man das Wort „Biene“ liest. Vor- und Nachsatz tragen auf gleich gelbem Papier einen Bienchenrapport; man hört den Schwarm fast summen.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Prestel Verlag - Viviane Sassen

Der Foliant ist dem Geburtsmotiv der Fotografie gewidmet: Licht und Schatten.
Ein besonderes Blättererlebnis gewährt der Aufbau der 32-seitigen Heftlagen – und ist zwar nicht eine Zumutung, aber immerhin eine Herausforderung für die Herstellung. 24 Seiten auf dünnem, matt saugendem Papier sind am Kopf nicht beschnitten, immer zwei Blätter hängen also oben zusammen. Außen herum und in die Lagenmitte ist ein funkelnder Kunstdruckbogen gelegt, also zweimal vier Seiten.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Auszeichnung im Jahre 2013

Edition Minerva Der Kunsthandel Verlag GmbH – Sixtina MMXII

Diese Broschur dokumentiert das künstlerische Projekt der fotografischen Kartierung von Raffaels Sixtinischer Madonna und deren imaginärer Entrückung. Ein Bilderbuch für Erwachsene. Man entdeckt das Buch der Entschleunigung; jedem Blick auf die Madonna ist eine Seite gewidmet. Mit den Augen ertasten wir die Bildtextur. Bilder lesen, Text lesen – hier wird Zeit geschenkt. »Bücher sind mein Gedächtnis – Archive des Gesehenen und Empfundenen«, verrät die Künstlerin bereits auf dem Umschlag, der auch das Inhaltsverzeichnis trägt und die Publikation als Werkbericht charakterisiert.

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de

Verlag C.H. Beck – Der Islam

Buchtypografische Innovation spielt hier nicht so sehr die Hauptrolle, – innovativ ist es hingegen, dass die pädagogischen Energien eines Kinderbuches besonders für die Großen nutzbar gemacht werden – wie es in der Unterzeile heißt: Für Kinder und Erwachsene. Ein Beitrag der Aufklärung zu mündiger Toleranz und nicht zum stummen Nebeneinander. Gibt es auch so einen schönen Katechismus?

Quelle: www.stiftung-buchkunst.de